Den Winter gesund "ausbaden"

Münchner Hallenbäder: Manche sind Sehenswürdigkeiten, andere regelrechte „Sommerurlaubs-Ziele“ und Therapie-Oasen.

Wenn es draußen stürmt und schneit, genießen Münchner ihren Badeurlaub. Sie ziehen entspannt ihre Bahnen in den Schwimmbecken, während Schneeflocken und der Eisregen an Glaskuppeln oder Panoramafenstern abprallen. Der Winter bleibt draußen: Hinter Glas und Mauern herrscht tropisches „Feeling“.

Wer liebt es nicht, sich in die Wellen einer lebhaften Brandung zu werfen? Im Cosimabad, Münchens einzigem Wellenbad, sind Jung und Alt begeistert dabei oder lassen sich im flachen „Uferbereich“ sanft von den ausrollenden Wogen schaukeln wie beim Strandurlaub. Und danach? Eine entspannende Massage genießen oder in der Sauna mit Holzverkleidung im Bergstollen-Ambiente schwitzen.


Schwitzen wie die alten Römer können die Besucher des Müllerschen Volksbades. Sein römisch-irisches Bad bietet unterschiedlich temperierte Warmlufträume und einen Dampfraum mit Kaskadenbrunnen. Das eigentliche Highlight ist aber

das Jugendstil-Interieur dieses Bades aus dem Jahre 1901. Mit seinen verhältnismäßig kleinen Schwimmbecken ist es ein Eldorado für Genussschwimmer, die unter der Ornamentik der Jahrhundertwende gemächlich ihre Runden drehen. Auch die alten Wannen- und Brausebäder gibt es hier noch: liebevoll erhaltene Relikte aus einer Zeit, als Badezimmer seltener Luxus waren. Übrigens: Dienstags von 15 bis 20 Uhr ist das „Müllersche“ nur für Frauen geöffnet!

Ein eindrucksvolles Beispiel moderner Baukunst ist die Olympia-Schwimmhalle. Wo 1972 Mark Spitz seine Medaillen gewann, messen und entspannen sich Freizeitschwimmer beim Blick auf die imposante Architektur. Auch das modernisierte Westbad weiß mit seiner gläsernen Bauweise zu gefallen. Palmen verbreiten einen Hauch von Karibik. Dabei gibt es nichts Schöneres, als durch den Verbindungskanal ins Außenbecken zu schwimmen: Es ist herrlich, im Schneetreiben das warme Wasser zu genießen, das mit Reichenhaller Sole angereichert ist, und sich von Sprudelliegen und Massagedüsen verwöhnen zu lassen! Und auch das gibt es in München: ein Freibad im Winter! Im Dante-Winter-Warmfreibad ziehen Schwimmer ihre Kreise selbst bei klirrender Kälte und atmen den heißen Dampf des Wassers ein, der gen Himmel steigt.
Schwimmen: eine Herzens-Angelegenheit

Interview mit dem Münchner Orthopäden und Facharzt für Chirotherapie, Prof. Dr. Wolfgang Kohler.

LQ: Herr Professor Kohler, warum raten Sie gerade älteren Menschen zum Schwimmen?
„Schwimmen gehört zu den besten Trainingsmöglichkeiten für Muskeln, Herz und Kreislauf. Es ist fordernd, ausdauernd und schont gleichzeitig die Gelenke.“

LQ: Wie und wie oft sollte man schwimmen?
„Mein Tipp ist, schwimmen Sie mindestens dreimal pro Woche 25 Minuten kräftig. Sprich, wirklich mit Zug statt sich treiben zu lassen. Strecken Sie sich, wechseln Sie immer wieder den Schwimmstil und atmen Sie richtig.“

LQ: Apropos richtig: Kann jeder gleich loslegen, auch wenn er nicht oder selten geschwommen ist?
„Nein, wer kein routinierter Schwimmer ist, dem rate ich explizit zu einem Schwimmtraining, wie es in den Münchner Bädern angeboten wird.“

LQ: Vielen Dank, Herr Professor Kohler.
Schwimmkurse und Aqua-Trainings

In den Münchner Bädern werden Anfänger- und Aufbau-Schwimmkurse für Erwachsene plus Sonderprogramme wie etwa Aqua-Fitness oder Aqua-Jogging angeboten. Im Müllerschen Volksbad sowie im Bad Giesing-Harlaching finden zudem regelmäßig Senioren-Wassergymnastik-Kurse statt. Dabei werden das Herz-Kreislauf-System und der Gleichgewichtssinn bei Spaß und guter Laune trainiert. Im Bad Giesing-Harlaching sowie im Nordbad wird außerdem Wirbelsäulen-Gymnastik angeboten – ein Training, das hilft, Rückenbeschwerden zu lindern oder ihnen vorzubeugen sowie Verspannungen zu lösen. Informationen unter Tel. (089) 23 61 50 50 sowie
www.m-baeder.de

Text: Jens Kügler
Fotos: (Müllerschen Volksbades: Atelier Stigloher, Müllerschen Volksbades von innen: Robert Goetzfried)

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